Feline Immundefizienz-Virus (FIV)

Das Feline Immundefizienz-Virus (FIV) ist ein Virus aus der Familie der Retroviren. Das Virus löst bei Katzen eine Immunschwächekrankheit aus, die auch umgangssprachlich als Katzen-AIDS bezeichnet wird. Die Erkrankung bricht nicht sofort aus und kann über einen langen Zeitraum völlig ohne Symptome bei der Katze verlaufen. Manche Katzen tragen das Feline Immundefizienz-Virus auch ein Leben lang in sich, ohne dass die Erkrankung bei ihnen ausbricht.

Langfristig wird durch das Virus aber das Immunsystem der Katze geschwächt und in einigen Fällen auch zerstört, sodass simple Sekundärinfektionen (z.B. eine Erkältung, Bisswunde mit Entzündung der Bissstelle) schnell zum Tod des Tieres führen kann.

FIV kann nicht auf den Menschen übertragen werden!

Wie stecken sich die Katzen mit dem Felinen Immundefizienz-Virus an? FIV wird am häufigsten über Bisswunden übertragen. Die virale Übertragung von einem Muttertier an das (ungeborene) Katzenjunge, über die Muttermilch, Mund, Nase, Vagina und Rectum ist nach klinischen Studien eher als gering wahrscheinlich zu bewerten. Studien, die von einer erhöhten Wahrscheinlichkeit der Übertragung durch Schleimhäute oder das Muttertier ausgehen, berücksichtigten in allen Fällen nicht den Beobachtungszeitraum der untersuchten Katzenpopulation und die Zeiträume von Agressionsphasen in Mehrkatzenhaushalten. Deshalb sind diese Studien eher als vorsichtig und widersprüchlich zu bewerten (Quelle: Annette L. Litster, The Veterinary Journal).

Allerdings muss nach einer anderen US-Studie davon ausgegangen werden, dass bei über 60% der akut infizierten Muttertiere eine Übertragung des FIV an das Katzenjunge auch über die Muttermilch erfolgt ist (Quelle: R K Sellon, H L Jordan, S Kennedy-Stoskopf, M B Tompkins, W A Tompkins, Journal of Virology).

Zusammenfassend ist feststellbar, dass die meisten FIV-infizierten Katzen in ihrem ganzen Leben keine klinischen Krankheitssymptome zeigen und ohne gesundheitliche Probleme leben können.

Was sind mögliche Anzeichen einer FIV-Erkrankung?

Äußerlich kann eine FIV-Erkrankung nur schwer erkannt werden. Ein erstes Anzeichen ist, besonders bei Katzenjungen, dass es zu Fierberschüben, Atemwegserkrankungen, Erbrechen oder Durchfall von einigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen kommen kann. In diesem Fall wird sich ihr Tier an manchen Tagen komplett zurückziehen, vielleicht apathisch in einer Höhle oder einem anderen Versteck liegen und wenig Appetit haben. Auch der Stuhl kann ein Hinweis auf eine FIV-Erkrankung sein, wenn dieser über viele Tage breiig bis weich oder durchfallartig ist. An anderen Tagen wird sie dann wieder herumspringen und spielen, als wäre nichts gewesen. Hier sollten Sie unbedingt das Tier über einen Zeitraum von bis zu 2 Wochen beobachten. Wiederholt sich das Spiel von Apathie, Appetitlosigkeit und Fieber über diesen Zeitraum abwechselnd mit Tagen wo es ihrer Fellnase wieder gut zu gehen scheint, könnte eine FIV-Erkrankung vorliegen. In diesem Fall suchen Sie bitte ihren Haustierarzt auf, um die Symptome labordiagnostisch abklären zu lassen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Einen Impfschutz gegen FIV gibt es nicht. Zu alternativen Behandlungsmöglichkeiten gehen die Meinungen der Fachtierärzte auseinander. Einige Kollegen empfehlen bei FIV das Immunsystem zu unterstützen, d.h. zu stimulieren. Andere Kollegen raten hiervon ab, weil es Hinweise gibt, dass eine Immunstimulation zu einem weiteren Fortschreiten der FIV-Infektion führen kann. Häufig werden die Katzen über die Grundimmunisierung gegen die wichtigsten Infektionskrankheiten geimpft. Die Grundimmunisierung dient nur dazu, das bei einer FIV-Erkrankung die Katze ausreichend Antikörper gegen Katzenschnupfen, Leukose, Katzenseuche und Tollwut hat, damit diese Virenstämme keine Sekundärinfektionen begünstigen und das Immunsystem zerstören können.

FIV-Katze in Freigang und Vorbeugung?

Es wird generell empfohlen, daß FIV-positive Katzen nicht mehr in den Freigang entlassen werden sollen. Das erzeugt bei diesen Tieren, die Freigang gewohnt sind, unverhältnismäßig viel Stress. Stress ist einer der Primärfaktoren bei Katzen, die eine bereits geschwächte Immunabwehr dann noch weiter verstärken kann. Ebenso geht von FIV-positiven Katzen in Wohnungshaltung keine Ansteckungsgefahr für andere Freigänger aus. Deshalb entscheiden Sie bitte selber in Ruhe und im Sinne Ihres Lieblings und wägen alle Vor- und Nachteile ab, um eine für beide Seiten (Mensch und Tier) akzeptable Lösung zu finden.